Ich lese ab und zu in Homelab-Communities mit und habe jedes Mal das kurze Gefühl, mein Setup sei unterdimensioniert. Da stehen dann Leute mit drei Proxmox-Nodes, 10-GbE-Switch und einer Fortigate in der Abstellkammer. Meins ist kleiner – ein Mini-PC, ein Raspberry Pi, ein 2-Bay-NAS, eine USV. Zusammen idle unter 40 Watt.
Reicht für alles, was ich wirklich brauche. Das ist der Punkt.
Was drunter läuft
Auf dem Mini-PC läuft Proxmox, darauf im Wesentlichen ein Debian mit Docker. Ich hatte lange nur eine Synology und bin irgendwann an den Punkt gekommen, wo mir das DSM-Ökosystem zu eng wurde. Der Wechsel auf einen eigenen Host war weniger Aufwand als befürchtet – und deutlich angenehmer, wenn man mit docker compose und einem Reverse-Proxy sowieso schon arbeitet.
Der Raspberry Pi 5 macht bei mir nur zwei Dinge: Home Assistant und Zigbee2MQTT. Bewusst getrennt vom Main-Node, weil ich nicht möchte, dass eine Proxmox-Wartung mir gleichzeitig Lichtschalter und Heizungssteuerung lahmlegt. Smart Home gehört bei mir zu den Diensten, die "einfach laufen" müssen – dafür ist ein eigener kleiner Kasten Gold wert.
Das NAS steht daneben, 2x 8 TB im Mirror, macht ausschließlich Storage und Backup. Fotos, Dokumente, Media, und nächtliche Restic-Backups nach Backblaze B2.
Was drauf läuft
Die Liste ist kürzer, als es wirken mag:
- Vaultwarden als Passwort-Manager, weil ich die Vault nicht auf einem Server liegen haben will, über den ich keine Kontrolle habe.
- Immich für den Foto-Backup vom Handy. Gesichtserkennung, Suche, alles lokal.
- Nextcloud für Kalender, Kontakte und Dateien zwischen Geräten.
- Jellyfin für Filme und Serien.
- Home Assistant für den ganzen Smart-Home-Kram.
- AdGuard Home als DNS im Netz.
- Uptime Kuma für Monitoring, damit ich merke, wenn was nicht läuft, bevor meine Frau es merkt.
- Tailscale für Remote-Zugriff, ohne irgendwelche Ports offen zu haben.
Nichts davon ist spektakulär. Alles davon löst ein konkretes Problem.
Was ich mir bewusst spare
Was hier nicht läuft, ist eigentlich wichtiger als das, was läuft:
Kein eigener Mailserver. Ich habe einmal einen kurzen Moment überlegt, das selbst zu hosten – bin dann drei Artikel über Sender-Reputation tief im Reddit-Rabbit-Hole gelandet und wieder rausgekrochen. Mail bleibt bei einem Provider, der das professionell macht.
Kein Kubernetes im Homelab. Weil ich keine Kubernetes-Probleme habe, die ich lösen müsste. Docker Compose reicht für alles, was hier läuft, und ein Rollback besteht aus git checkout und docker compose up -d.
Keine zweite GPU für lokale LLMs. Ich habe das ausprobiert, die kleinen Modelle reichen mir nicht, und die großen brauchen Hardware, die ich für den realen Nutzen nicht rechtfertigen kann. Für alles Ernste nehme ich eine API.
Das ist der Teil, an dem Homelabs oft eskalieren: Man könnte ja noch. Man sollte meistens nicht.
Was ich gelernt habe
Die wichtigste Lektion aus ein paar Jahren Homeserver: Bevor du einen neuen Dienst startest, überleg dir, was passiert, wenn die Hardware morgen stirbt. Wenn die Antwort ist "dann stell ich's neu auf, ein paar Stunden Ausfall sind okay", super. Wenn die Antwort ist "dann sind Daten weg, die ich nicht ersetzen kann", gehört zum Container ein Backup, bevor er online geht. Bei mir heißt das: wöchentliche ZFS-Snapshots auf dem NAS, nächtliches Restic nach B2, und monatlich ein Restore-Test, damit das Backup auch tatsächlich eins ist.
Und die zweite Lektion: Eine kleine USV kostet weniger als eine kaputte Festplatte. Ich habe mal einen Stromausfall erlebt, bei dem das ganze Setup sauber heruntergefahren hat und alles wieder da war – das war den Einstiegspreis wert.
Fazit
Mein Homelab ist kein Statement, sondern ein Werkzeug. Es läuft im Hintergrund, sichert die Daten, fällt kaum auf, zieht kaum Strom. Und die Zeit, die ich nicht mit Bastelei verbringe, ist auch was wert.
Die genaue Liste mit Hardware und Services steht unter /uses.